Niedersächsischer Forschungsverbund Gestaltung altersgerechter Lebenswelten

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Im Folgenden sind die Ergebnisse des Forschungsverbundes dargestellt.

Es wurde ein persönlicher Aktivitäts- und Haushaltsassistent (PAHA) zur Erinnerung an anstehende Aktivitäten und Tätigkeiten entwickelt. Im Sinne des nutzerzentrierten Vorgehens wurden auf Basis von Interviews mit Endanwendern und Experten geeignete multimodale Interaktionsmethoden iterativ entworfen und evaluiert. Die dazu notwendigen Technologien zur Darbietung von Informationen im Haushalt durch Akustik (Sprache und Klänge), Licht und Vibration, sowie zur Eingabe von Informationen durch Sprache und zur Lokalisierung wurden erforscht und implementiert. Der PAHA wurde neben der eigentlichen Zielgruppe "jüngere Ältere" sowohl mit Hochbetagten als auch mit MCI-Patienten im Rahmen von Fokusgruppen-Befragungen und realitätsnahen Laborsituationen getestet.

Für das Monitoring im Präventions- und Reha-Sport wurden technische Komponenten und Systemansätze für das Tele-Training in der häuslichen Umgebung entwickelt. Dazu war es zum Einen nötig integrierte technische Sensoren zu entwicklen, die auch im häuslichen Bereich einfach anzulegen sind und auf deren Basis die Steuerung des Trainings durchgeführt werden kann. Es wurden verschiedene Methoden zur autonomen Steuerung sowie ein System zur standardkonformen Kommunikation zwischen Klinik und häuslicher Umgebung entwickelt.

Zur Erkennung von Alltagsaktivitäten, insbesondere pflegerelevanter Informationen (Zubereitung und Verzehrs von Nahrungsmitteln, Verlassen der Wohnung, nächtliche Toiliettengänge sowie Mobilität) wurden Sensoren und Algorithmen entwickelt, in einen Demonstrator integriert und in Labor- und Feldversuchen mit älteren Probenden evaluiert. Für Einzelfallstudien (insgesamt in 10 Wohnungen) wurde das System in Wohnungen allein lebender älterer Menschen ohne als auch mit Pflegebedarf installiert und die Daten ausgewertet. Neben der Erkennung der Aktivitäten wurde in Experteninterviews die Rahmenbedingungen (Darstellung der Informationen, Adressaten, Datenschutz, Belastung der Betreuenden) für den Einsatz solcher Systeme zur Unterstützung der Pflege diskutiert und die technische Infrastruktur dafür implementiert (Visualisierung, persönliche Elektronische Gesundheitsakte).

Zur Sturzerkennung in der häuslichen Umgebung wurde ein Demonstratorsystem, bestehend aus einem Accelerometersystem und einem optischen Sensor inklusive Datenfusion, entwickelt und im praktischen Langzeiteinsatz in insgesamt 56 Wohnungen sturzgefährdeter Personen erprobt.

Zur Vorhersage von Stürzen wurde ein komplettes klinisches Messlabor aufgebaut, und in einer klinischen Studie wurden 15 Probanden mit einem kombinierten optischen und accelerometrischen Sensorsystem bei spezifischen Aktivitäten in einem Bewegungsparcours (u. a. mit physiotherapeutischen Assessmenttests) vermessen. Durch eine Follow-Up-Studie wurden bei den Probanden stattgehabte Sturzereignisse erfasst.

Zur Unterstützung aller o. g. Demonstratoren wurde die technische Plattform für altersgerechte Lebenswelten prototypisch umgesetzt sowie die benötigte Sensorik und Aktorik angebunden. Für die Interaktion mit Anwendern wurden zum einen die multimodalen Benutzungsschnittstellen integriert, zum anderen ein Modul für Web-basierte grafische Benutzungsoberflächen realisiert, welches für die Systemkonfiguration sowie für die Darstellung der in die Plattform integrierten persönlichen Gesundheitsakte genutzt wird. Module zum Absetzen von Alarmmeldungen, zur temporären Deaktivierung des Systems, zum Import von Daten aus klinischen IT-Systemen, zur persistenten Datenhaltung, zur verschlüsselten Datensicherung über das Internet, sowie ein Entscheidungsunterstützungssystem auf Basis der HL7 Arden Syntax sind umgesetzt und in die technische Plattform integriert.

In den Querschnittsbereichen wurden u. a. Bedarfe an und Möglichkeiten für technischen Assistenzsysteme - und hier insbesondere die o. g. Entwicklungen - mit Experten, Betroffenen und potentiellen Nutzern erörtert, die Frage dem Bereitschaft zur Techniknutzung theoretisch und empirisch elaboriert, repräsentative Daten zur Einstellung der Bevölkerung erhoben, volkswirtschaftliche Konsequenzen des Einsatzes eruiert, Einschätzungen und Einstellungen professioneller Helfer über qualitative Verfahren eingeholt und nicht zuletzt im Rahmen der Begleitforschung ein Methodeninventar für die Evaluation neuer Technologien entwwickelt und damit die Praktikabilität der GAL-Technologien untersucht. Wesentliche Meilensteine waren eine postalische Befragung zur Rekrutierung von Probanden für die Anforderungsanalysen (n=783, vgl. Aufgabe 7.3), welche auch in der letzten Projektphase zur Probandenrekrutierung genutzt wurde; sowie die Entwicklung eines theoretischen Modells zur Erklärung der Technikakzeptanz und anschließende Konzeption und Validierung einer Skala zu Messung der Technikbereitschaft und die Konzeption, Durchführung und Auswertung einer für Niedersachen repräsentativen Befragung der über 49-jährigen Bevölkerung auf Basis einer Einwohnermeldeamtsstichprobe (n=2.029) mit Fragen u. a. zur Technikerfahrung, Einstellungen zu den vier GAL-Szenarien und der Skala zu Messung der Technikbereitschaft. Auf dieser Grundlage wurden die sozialen und psychischen Voraussetzungen und Konsequenzen, Chancen und Probleme des Einsatzes von Technik in alternsgerechten Lebenswelten insbesondere mit Blick auf die zukünftigen Älteren untersucht. Zudem wurden in einem feldtheoretischen Zugang Barrieren und Gestaltungsmöglichkeiten altersgerechter Lebenswelten thematisiert und dabei auch die Möglichkeiten technischer Unterstützung der Pflegenden sowie solcher Personengruppen untersucht, die mit repräsentativen Befragungen nicht oder nur unter sehr hohem Aufwand erreicht werden können (z. B. ältere Menschen mit Behinderung, ältere Migranten, Personen in Rehabilitationsmaßnahmen). Ergänzend dazu wurde in den beiden letzten Projektjahren die Vollerhebung aller Personen im Alter zwischen 69 und 71 in der Umgebung Vechtas mit dem Ziel durchgeführt, die Versorgungslage besonders im ländlichen Bereich zu untersuchen.

Für den Transfer in Versorgungsstrukturen wurden IT-Architekturen für sensorerweiterte, transinstitutionelle Informationssysteme mit dem Ziel untersucht, Rahmenbedingungen für neue Versorgungsformen mittels assistierender Technologien zu erarbeiten. Hierfür wurde eine Taxonomie für sensorerweiterte, transinstitutionelle Informationssystem-Architekturen des Gesundheitswesens entwickelt. Parallel zu diesen eher grundlagenorientierten Arbeiten wurden die Szenarien des GAL-Forschungsverbundes fortlaufend begleitet und unterstützt. In den Jahren 4 und 5 wurde eine prototypische Studie zur Untersuchung der Akzeptanz und der Nutzbarkeit von Daten, die durch technische Systeme in der häuslichen Umgebung aufgenommen wurden, für die Nachsorge von Patienten mit Frakturen nach Klinikaufenthalt durchgeführt. Diese Studie wurde in enger Zusammenarbeit mit dem niedersächsichen Landesverband für Geriatrie (LVG) durchgeführt.