Niedersächsischer Forschungsverbund Gestaltung altersgerechter Lebenswelten

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Grundsätzlich sollen in den Jahren 4 und 5 die in den ersten Jahren entwickelten Szenarien fortentwickelt und die inhaltlichen Schwerpunkte und Zielsetzungen beibehalten werden. Auch die interdisziplinäre Verschränkung der Perspektiven hat sich bewährt. Durch den Projektfortschritt in GAL und durch die Einbindung neuer Kooperationspartner werden aber auch neue inhaltliche Vertiefungen möglich. Dies betrifft insbesondere die folgenden dargestellten Aspekte.

Ältere Menschen mit kognitiven Funktionsdefiziten

Für die Grauzone zwischen "normalem", altersbedingten kognitiven Leistungsabbau und einer Demenz wurden in den letzten Jahren verschiedene Konzepte entwickelt. International weitgehend durchgesetzt hat sich das Konzept des "Mild Cognitive Impairment" (MCI) von Petersen et al. Patienten mit MCI haben subjektive und auch psychometrisch objektivierbare kognitive Defizite, die im Alltag jedoch noch gut kompensiert werden können. Sie umfassen häufig Gedächtnisstörungen ("amnestic MCI"), seltener auch neuropsychologische Symptome ohne Defizite des Gedächtnisses ("non-amnestic MCI"). Patienten mit MCI haben ein hohes Risiko an Demenz zu erkranken. Die jährlichen Konversionsraten liegen zwischen 5 % und 15 %, longitudinal bei bis zu 100 %, wobei Patienten mit "amnestic MCI" am häufigsten eine Alzheimer Demenz entwickeln. Im Kontext von AP1 sollen hier mit Unterstützung der psychologischen Gerontologie Unterstützungsmöglichkeiten für diese Personengruppe erprobt und mögliche positive Effekte auf die kognitiven Fähigkeiten erfasst werden.

Ältere Menschen mit körperlichen Funktionsdefiziten

Eine sich verschlechternde Mobilität sowie die Zunahme des Sturzrisikos sind bei älteren Menschen mit einer Abnahme an Lebensqualität sowie mit negativen Gesundheitsereignissen (Hospitalisierung, Institutionalisierung, Mortalität) assoziiert. Es ist daher beabsichtigt, die bereits gewonnenen Erkenntnisse zum Einsatz von Personen-zentrierten als auch von Heim-zentrierten Assistenzsystemen nun durch ihre Anwendung in realen Versorgungsstrukturen zu erweitern. Dies soll insbesondere in AP6 erfolgen. Durch die Zusammenarbeit mit im Landesverband Geriatrie Niedersachsen organisierten Kliniken wird es möglich sein, den Einsatz der GAL-Assistenzsysteme im Risikokollektiv geriatrischer Rehabilitationspatienten zu testen. Neben Informationen zur Anwendbarkeit dieser Technologien in klinischen Einrichtungen als auch im persönlichen Lebensraum der Patienten werden anhand der erhobenen Daten neue prognostische Parameter ermittelt werden. Basierend auf den gewonnenen Ergebnissen sollen besonders gefährdete Patienten einer sekundärpräventiven Behandlung zugeführt werden, um eine längerfristige Verbesserung ihrer Versorgungssituation jenseits der akuten Rehabilitationsphase zu bewirken.

Ältere Menschen mit Behinderung

Der Einsatz von assistierender Technologie für altersgerechte Lebenswelten ist vor dem Hintergrund einer steigenden Anzahl älterer Menschen mit Behinderungen von Relevanz. Die Gruppe der Menschen mit Behinderungen im Alter, speziell die Personen mit einer geistigen Behinderung, nimmt aufgrund der historischen Entwicklung sowie einer verbesserten medizinischen Versorgung deutlich zu. Diese Problemlagen von älteren Menschen mit einer Behinderung werden in AP7 unter dem Aspekt der aktiven Teilhabe und Selbstbestimmung berücksichtigt.