Niedersächsischer Forschungsverbund Gestaltung altersgerechter Lebenswelten

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Technische Innovationen

Technologische Innovationen können vor diesem Hintergrund in verschiedener Hinsicht eine herausragende Bedeutung erlangen und in vielfältiger Hinsicht direkt und indirekt zur Verbesserung der Lebensqualität und der Erhaltung von Autonomie beitragen sowie Prävention und Rehabilitation unterstützen:

  • Das Altern ist für viele Menschen mit physischen und psychischen Funktionsverlusten verbunden. Technische Hilfsmittel können hier z. B. die Mobilität und Orientierung erleichtern sowie Wahrnehmungs- und Erinnerungsdefizite zumindest partiell kompensieren und auf diesem Wege zum Erhalt einer selbständigen Lebensführung sowie der gesellschaftlichen Partizipation beitragen, möglicherweise sogar einen Heimübergang verhindern oder zumindest verzögern. Grundsätzlich gehören technische Hilfsmittel in diesem Bereich - vor allem im sensomotorischen Bereich, z. B. Gehhilfen oder Hörgeräte - heute schon zum Alltag. Neue technische Innovationen wie z. B. drahtlose Kommunikation oder Spracherkennung und die deutlich gestiegenen Möglichkeiten der Datenspeicherung und -analyse lassen heute aber auch gänzlich neue, "intelligente" Unterstützungssysteme denkbar werden, die auch direkt kognitive Bereiche unterstützen können oder Entlastungen bei Doppelaufgaben ermöglichen können.

  • Bereits mit dem Übergang in den Ruhestand rückt aufgrund des Wegfalls arbeitsweltlicher Bezüge "die Wohnerfahrung wieder in den Vordergrund der lebensweltlichen Erfahrungen". Dies gilt in verstärktem Maße im hohen Alter, wenn Tätigkeiten außer Haus aufgrund eingeschränkter Mobilität selten oder gar nicht mehr möglich sind. Die objektiven Gegebenheiten der Wohnung und des Wohnumfelds werden daher mit dem Alter zunehmend wichtiger. Es kann davon ausgegangen werden, dass alte Menschen mit eingeschränkter Gesundheit, die in schlecht ausgestatteten Wohnungen leben, auch verstärkt auf Hilfs- und Pflegeleistungen anderer angewiesen und damit in ihrer Selbständigkeit eingeschränkt sind. Eine altersgerechte und u. a. durch technische Hilfsmittel an die jeweiligen Beeinträchtigungen angepasste Wohnung kann sowohl einen längeren Verbleib in den gewohnten "vier Wänden" ermöglichen und einen geringeren Hilfebedarf bedeuten, aber auch ggf. die notwendigen Hilfeleistungen in vielfältiger Weise erleichtern und unterstützen. Dies gilt insbesondere im Falle chronischer Krankheiten und Behinderungen, aber - sofern die technischen Hilfsmittel unaufwendig nachrüstbar bzw. einfach zu installieren sind - auch im Falle kurzfristiger oder sich verändernder Beeinträchtigungen.

  • Ebenfalls an Bedeutung gewinnen mit zunehmendem Alter soziale Beziehungen, etwa im Falle des Alleinlebens, bei eingeschränkter Mobilität, aber auch im Falle von Unsicherheit oder Krankheit. Technische Hilfsmittel können hier die Kommunikation erleichtern und z. B. die Sicherheit vermitteln, im Zweifelsfall erreichbar zu sein oder jemanden kontaktieren zu können, oder aber im Bedarfsfall automatisch benachrichtigt werden zu können. Sie tragen damit nicht nur zur gesellschaftlichen Partizipation und der Lebensqualität der Älteren bei, sondern auch jener der Angehörigen.

  • Voraussetzung für die erfolgreiche Nutzung neuer assistierender Technologien ist, dass entsprechend geeignete Versorgungsformen bzw. Lebensweisen gefunden und hierfür geeignete, stabile und wirtschaftlich tragbare Softwarearchitekturen und Infrastrukturen zur Kommunikation und Information herausgearbeitet und verfügbar gemacht werden. Dies betrifft sowohl technische Plattformen und Infrastrukturen im häuslichen Umfeld als auch IT-Architekturen für neue Versorgungsformen. Bestandteil solcher Kommunikations- und Informationsinfrastrukturen sind umfassend genutzte und auch auf die Versorgung adäquat ausgerichtete Sensorsysteme zur Erfassung und späteren Analyse von versorgungsrelevanten Daten wie beispielsweise Vitalparametern und Bewegungsmustern. All diese Aspekte - neue Lebensweisen und Versorgungsformen, technische Plattformen und Infrastrukturen im häuslichen Umfeld und IT-Architekturen für neue Versorgungsformen - gilt es im Zusammenhang zu betrachten.

  • Mit zunehmendem Alter wird die Erhaltung der individuellen Gesundheit bestimmend für die Lebensqualität. Im hohen Alter treten oft mehrere behandlungsbedürftige und vor allem chronische Krankheiten gemeinsam auf (Multimorbidität), deren Auswirkungen durch altersbedingte Funktionsverluste wie die Verminderung der Mobilität, schlechtere Hör- und Sehfähigkeiten und Einbußen im Bereich der kognitiven Kompetenzen zusätzlich verschärft werden können. Durch die Überwachung des Verlaufs von Erkrankungen im Zusammenspiel mit der individuellen Leistungsfähigkeit soll in diesem Zusammenhang die medizinische Behandlung optimiert und eine möglichst lange Aufrechterhaltung der Gesundheit in körperlicher und geistiger Hinsicht erreicht werden. Die Technologien sollen jedoch auch dazu beitragen, mittels Sensoren und sensor-erweiterten Informationssystemen insbesondere bei älteren Menschen Krankheiten frühzeitiger zu erkennen bzw. neue Formen der Versorgung und Betreuung chronisch Kranker zu ermöglichen.

  • Ein ganz wesentliches Problem für Menschen im höheren Alter stellen Stürze dar. Sie sind eine der häufigsten Ursachen für die Einschränkung bzw. den Verlust der Unabhängigkeit. 30% der über 65-jährigen stürzen mindestens einmal pro Jahr, bei über 80-jährigen steigt diese Zahl auf über 80%. Die Konsequenzen sind oft schwerwiegend: In mehr als 20% der Fälle tritt eine Verletzung, meistens eine Fraktur (56%) auf. Die Hälfte der Sturzereignisse hat zudem eine dauerhafte Reduktion der Mobilität zur Folge. Konventionelle Maßnahmen zur Erfassung des Sturzrisikos und Interventionen zur Prävention von Stürzen können nur etwa ein Sechstel der Sturzereignisse verhindern. Neue assistierende Technologien, z. B. zur Überwachung sturzprädiktiver Bewegungsparameter und zur frühzeitigen Erkennung von Stürzen in der Wohnung, können dazu beitragen, Sturzereignisse zu verhindern bzw. deren Folgen abzumildern.